29.07.2009
Peter Sauber kann Rückzug ''nur schwer nachvollziehen''

Peter Sauber war fassungslos
Am 22. Juni 2005 hatte Peter Sauber sein Formel-1-Team vertrauensvoll in die Hände von BMW gelegt -- und war überglücklich, dass sein Lebenswerk und seine Mitarbeitenden gut aufgehoben waren. Jetzt könnte alles wieder von vorne beginnen.
Peter Sauber, der noch immer 20 Prozent an BMW-Sauber besitzt, wurde vom BMW-Ausstieg per Saisonende 2009 -- wie die meisten anderen auch -- völlig auf dem falschen Fuss erwischt. Er zeigte am Mittwoch wenig Verständnis für den Rückzug seines Partners BMW aus der Formel 1. "Die Ankündigung von BMW, sich zum Saisonende aus der Formel 1 zurückzuziehen, kam für mich völlig überraschend. Ich akzeptiere und respektiere den Entscheid, kann ihn allerdings persönlich nur schwer nachvollziehen."
Er werde nun alles in seiner Macht stehende versuchen, um "eine Lösung zu finden, die den Fortbestand des Teams am Standort Hinwil in irgendeiner Form ermöglicht". Sauber war 1993 mit 60 Leuten in die Formel-1 eingestiegen, heute arbeiten dort 430 Personen, die grossteils Spezialisten auf ihrem Gebiet sind.
Der 65-jährige frühere Teamchef betonte aber auch: "Die Ausgangslage ist sehr schwierig." Sauber könnte das Werkteam, wie in alten Zeiten, künftig wieder als Privat-Equipe führen -- und somit den Weiterbestand der Hightech-Anlage sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze in Hinwil sichern. Die Formel-1-Fabrik im Zürcher Oberland stellt einen immensen Wert dar, allein der moderne Windkanal kostete rund 80 Millionen Franken.
Teamvereinigung FOTA sichert Sauber nach BMW-Rückzug Hilfe zu
Die Rennställe der Teamvereinigung FOTA haben BMW-Sauber nach der Rückzugsankündigung von BMW ihre Unterstützung zugesichert. Generalsekretär Simone Perillo erklärte, dass sich die acht Teams nach der Bekanntgabe von BMW umgehend verständigt hätten. Sie seien bereit, "jede notwendige Unterstützung dem in der Schweiz beheimateten Team, dessen Mitgliedschaft in der Vereinigung bestätigt ist, zuzusichern, um sein Engagement in der Formel 1 fortzusetzen".
Der finanzielle Aspekt spielte beim Rücktritts-Entscheid des BMW-Vorstands sicherlich auch eine Rolle. Denn neben den Investitionen am Standort Hinwil, musste BMW jährlich auch für ein Rennbudget von mehr als 300 Millionen Franken aufkommen. BMWs Motorsportdirektor Mario Theissen sagte zur momentanen finanziellen Lage von BMW-Sauber: "Unser Formel-1-Budget hat sich in einem Zeitraum von fünf Jahren halbiert und weitere Einsparungen sind vorgezeichnet." BMW-Sauber gibt es seit 2006 -- bis spätestens 2010 sollte der WM-Titel her...
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Nun sagt Theissen: "Jetzt kümmere ich mich darum, was aus dem Team wird. Die Fahrer Heidfeld und Kubica sind auf die Entscheidung nicht vorbereitet worden. Sie sind enttäuscht, aber sie sind ja blitzartige Entscheidungen gewohnt. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf die verbleibenden Rennen, damit wir uns mit Kampfgeist und einem guten Ergebnis aus der Formel 1 verabschieden können. In den nächsten Monaten wird es auch darum gehen, eine Lösung für unsere Mitarbeitenden in Hinwil und München zu finden."
von Robert Höpoltseder (Si)
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