05.06.2009
Jupp Heynckes übernimmt Bayer Leverkusen

In Jupp Heynckes brennt es noch
Jupp Heynckes wird ab sofort neuer Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Der 64-jährige Fussball-Lehrer sagte am Freitagabend nach einer Sitzung des Gesellschafter-Ausschusses per Handschlag bis zum 30. Juni 2011 zu.
Gleichzeitig billigte das Aufsichtsgremium des Bundesligisten den Wunsch des bisherigen Trainers Bruno Labbadia, seinen bis 2010 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen und ihm eine Freigabe für den gewünschten Wechsel zum Hamburger SV zu erteilen. Die Verantwortlichen beider Clubs hatten sich im Vorfeld der Sitzung auf eine Ablösesumme für den Trainer verständigt.
Es brennt in Heynckes
"Ich habe mich sehr über das Interesse von Bayer 04 gefreut", kommentierte Jupp Heynckes. "Während meines kurzen Gastspiels in München habe ich gemerkt, dass es noch in mir brennt. Deshalb übernehme ich die neue Aufgabe sehr gerne. Ich kenne die meisten Spieler gut und die Herausforderung, diese junge und sehr talentierte Mannschaft wieder ins internationale Geschäft zurückzuführen, reizt mich sehr. Ich sehe grosses Potenzial."
Nach seinem Engagement bei den Bayern hatte Heynckes erklärt, dass er sich einen neuen Job nicht vorstellen könne, da zu Hause sein Schäferhund Cando warten würde. Und den wolle er nicht vernachlässigen. Dazu müsse er sich um den Garten kümmern und hie und da ein paar Rosen schneiden. Doch es kam anders.
Die Häme ist vergessen
Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ist zuversichtlich, dass sich die verblüffende Personalentscheidung bezahlt macht: "Wir sind davon überzeugt, dass gerade unsere junge Mannschaft von seiner Erfahrung und seiner natürlichen Autorität profitieren wird."
Der nach seinem rund zweijährigen Rückzug ins Private fast in Vergessenheit geratene Heynckes ist in den Bundesliga-Chefetagen urplötzlich wieder erste Wahl. Hämische Kommentare wie die des einstigen Schalke-Managers Rudi Assauer, der den Fussball-Lehrer im September 2004 nach gut 14 Monaten mit der Aussage "Der Jupp ist ein Fussballer der alten Schule, aber wir haben 2004", verabschiedet hatte, sind längst vergessen. Erfolge wie der Triumph in der Champions League mit Real Madrid (1998) und die deutschen Meistertitel mit Bayern München (1989/1990) gelten vielerorts wieder mehr als innovative Konzepte junger Trainer.
Anders als zuletzt in München soll Heynckes auf seiner insgesamt zwölften Trainerstation nicht als "Feuerwehrmann", sondern als Stratege mit langfristiger Zielsetzung wirken. "Das war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Natürlich habe ich auch mit Uli telefoniert. Er hat mir zugeraten mit dem Hinweis, dass ich ja in den letzten fünf Wochen einen tollen Urlaub in München verbracht habe", sagte der Weltmeister von 1974 in einem Interview mit der "abendzeitung.de" in Anspielung auf eine Rücksprache mit dem befreundeten Bayern-Manager Uli Hoeness.
1,3 Millionen Euro Ablöse
Der Entschluss des bisherigen Trainers Labbadia, zum Hamburger SV zu wechseln, ebnete den Weg für die überraschende Verpflichtung von Heynckes. "Wir hatten uns für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit ausgesprochen - aber Bruno wollte einen Neuanfang", sagte Geschäftsführer Holzhäuser.
Immerhin kassierte Bayer für den Wechsel des noch ein Jahr vertraglich gebundenen Labbadias dem Vernehmen nach eine Ablöse von 1,3 Millionen Euro. Das in aller Eile getroffene Votum für Heynckes rechtfertigte Holzhäuser: "Heynckes war für uns erste Wahl, zumal wir uns schon in den vergangenen Jahren immer wieder mit diesem Thema befasst hatten."
''Wir sind alle unsterblich''