13.12.2008
Im Schatten der Stars, Teil 2: ''Mein Körper will nicht''

Baumgartner: ''Der Virus hat sich wieder bemerkbar gemacht''
Bereits während der ersten grossen Madison gab Benjamin Baumgartner seinem Bruder Tobias ein vielsagendes, verzweifeltes Zeichen. Danach scherte er aus, verliess die Bahn und verschwand für kurze Zeit in seiner Koje. Was war passiert? „Durch die Belastung bekam ich leichtes Fieber. Den Virus den ich mir vor wenigen Tagen einfing, hat sich wieder bemerkbar gemacht. Ich fühlte mich extrem kraftlos und bekam richtig heiss." Das Team Baumgartner/Baumgartner nutzte die Möglichkeit, sich einem medizinischen Problem durch die Jury neutralisieren lassen zu können. „Im Moment als ich realisierte, dass mein Körper nicht so will, wie ich mir das vorgestellt habe, war ich irgendwie traurig, richtig enttäuscht", so „Bäumli" über seinen Gefühlszustand. Postwendend ergänzt er: „Ich werde aber nicht aufgeben. Ich arbeitete sehr hart, habe für diese sechs Tage so viel investiert und auf vieles verzichtet. Ich bin ein Kämpfer, en zäche Siech".
Menzis Mühen mit der Atmung
Auch Bruno Menzi biss gestern auf die Zähne. „Ich hatte extrem Mühe mit der Atmung. Ich bin nicht ganz gesund, meine Erkältung behindert mich weiterhin. Der Staub, der auf der Bahn lag, verschlimmerte alles noch." Mit einem breiten Lachen fügt er hinzu: „Unsere Tricots sind extrem eng geschnitten. Ich mit meinem austrainierten Oberkörper bekam so natürlich Mühe im Brustbereich..."
Der Weg zum Radsport
Benjamin Baumgartner hat das Kämpfen wohl im Blut, denn er ist in den Radsport hineingeboren worden. „Mein Vater war Profi, inoffizieller Punkteweltmeister, gewann zwei WM-Medaillen. Eine Tour de Suisse Etappe gehört auch in seinen Leistungsausweis und dazu war er mehrfacher Schweizermeister." Da sein grosser Bruder, heute sein Partner, ebenfalls mit dem Radsport begann und auch die Kollegen auf dem Velo ihre Freizeit verbrachten, gab es praktisch keine andere Wahl.
Wie kam Menzi zum Radsport? „Ich fand nichts mehr Dümmeres", so die spontane und nicht ganz ernst gemeinte Antwort. „Ursprünglich komme ich vom Skisport. Bis ich fünfzehn war, fuhr ich Skirennen. Bereits damals trainierten wird Kondition auf dem Rad und irgendwann dachte ich mir, dass das Radfahren eigentlich mehr Spass macht, als die Fahrten auf zwei Brettern."
An der Zielsetzung festhalten
Obwohl Menzi und Baumgartner mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben, ist beiden klar geworden: „Das Feld ist extrem stark besetzt. Es wird sehr, sehr schwierig unter die besten 10 zu kommen", kommentiert Menzi seine Ausgangslage. Nichtsdestotrotz sind beide jungen Schweizer weiterhin sehr motiviert und halten an ihren Zielsetzungen fest.
Der Stand an der Spitze verspricht für die nächsten Tagen viel Spannung. Menzi/Krauss belegen den 13ten und Baumgartner/Baumgartner den 14ten und somit letzten Platz. Im grossen Schatten der Stars...
Von Christian Rocca
Kein Sieger im ''Gefrierschrank'' Luzern