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Schweizer dominieren die Halfpipe-Szene!
Schweizer dominieren die Halfpipe-Szene!
Markus Keller macht den Schweizer Triumph komplett

Iouri Podladtchikov (21) hat beim TTR-Happening in Davos ein Signal der Formstärke gesandt. Der derzeit begehrteste Schweizer Halfpipe-Spezialist gewann die mit 125 000 Dollar dotierte "O'Neill Evolution".

Podladtchikov und Keller sorgen für Doppelsieg

Vier Wochen vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Vancouver demonstrierte die Schweizer Equipe technische Qualität auf höchster Flugebene. Unmittelbar hinter dem Stadtzürcher produzierte mit Markus Keller (27) ein zweiter Rider von Swiss Snowboard positive Schlagzeilen.

Christian Haller (6.), der sich im Dezember in Laax im ersten Teil der internen Trials als erster Schweizer ein Olympia-Ticket gesichert hatte, verpasste das Podium nur um vier Wertungspunkte. Gian Simmen, der noch immer sehr hoch springt, aber zu wenig rotiert, erreichte im Final der Top 16 den respektablen 11. Platz.

Vorjahressieger Peetu Piiroinen, Zweiter des TTR-Rankings, stiess an der steilen, aber im Zwischenraum ungewöhnlich breiten Pipe am Bolgenhang an seine Grenzen. Im Gegensatz zu Podladtchikov, der erst den letzten seiner drei Runs fehlerlos bewältigte, oder Keller verfügte der Finne über keine weitere Marge mehr.

Unzufriedener Perfektionist

Am Ende herzte Podladtchikov seine zahlreichen Angehörigen im Zielraum. Die Mutter nahm die entkorkte Champagner-Flasche in Empfang, der Cousin freute sich über den symbolischen Sieger-Check von 15 000 Dollar. Nach zwei Durchgängen hatte wenig auf eine spontane Familien-Feier hingedeutet: Zwei unsaubere Fahrten plus die etwas (zu) tiefe Benotung schlugen dem "Podladtchikov-Clan" aufs Gemüt.

Im entscheidenden Moment reduzierte der begabteste Freestyler die Summe der kleinen Fehler auf ein Minimum. Und er stieg auf die international gewünschte Flughöhe. Dem "Frontside-1080er" (drei frontale Drehungen" liess er den "Cab Double Cork 1080" (zwei Überkopf-Drehungen mit Schraube) folgen.

"Mit der nötigen Aggressivität funktionierte es plötzlich", kommentierte er seinen späten Coup. Restlos zufrieden sei er trotzdem nicht. "Ich habe zwar gewonnen, aber bei den ersten beiden Runs verhaspelte ich mich. Das ärgert mich total." Der einzige Porsche-Fahrer im Snowboard-Zirkus nimmt es in der eisigen Röhre zentimetergenau.

Weniger ist mehr

Im Gegensatz zur finnischen Elite setzte Podladtchikov nur auf vier Sprünge. Seine Taktik zahlte sich aus. Keller wählte die gleiche Strategie, verzichtete aber auf den "Double Cork 1080". Den ultimativen Trick der Halfpipe-Szene zeigten in Davos nur Podladtchikov, Piiroinen und Ikka-Eemeli Laari (5.).

Für Pepe Regazzi ist der "Korkenzieher" in erster Linie eine Mutprobe. "Der Sprung ist nur gefährlich, wenn man kein klares Konzept hat", erklärte der Schweizer Trainer-Assistent. Entscheidend sind die Linienwahl und das Timing. Podladtchikov (über-)stand das Manöver vor ein paar Tagen in den USA bei einem Wettkampf ein erstes Mal.

Nun sprang er den "Double Cork 1080" in Davos gleich dreimal, ohne dabei die geringste Unsicherheit zu offenbaren. Haller und Keller beherrschen den Trick im Training ebenfalls; sie werden ihre Karten nun spätestens am Burton European Open (BEO) in Laax nächste Woche auf den Schnee legen müssen.

Hohe Schweizer Ziele

Dass die Schweizer bei einem Sechs-Sterne-Event der "Ticket to Ride"-Tour derart dominieren, ist erstaunlich und imagefördernd zugleich. Die globale Wettkampfserie der Industrie verfügt im Zirkel der Freestyler über eine bedeutend höhere Strahlkraft als Spitzenergebnisse auf der nach wie vor wenig geschätzten FIS-Tour.

Marco Bruni, der den jüngeren Teil des Kaders am Vortag beim Weltcup in Kreischberg coachte (und dank dem 15-Jährigen Burgener Platz 2 erreichte), formulierte nach den starken Auftritten seiner Fahrer hohe Ziele: "Wir wollen an den Olympischen Spiele das beste europäische Team stellen."

US-Elite nicht am Start

Wieviel wert der Erfolg Podladtchikovs tatsächlich ist, wird sich spätestens im Februar in den kanadischen "Cypress Hills" weisen. Dann ist die direkte Konfrontation mit den amerikanischen Marktführern unausweichlich. Zurzeit spielt sich das Geschehen weitgehend zeitgleich auf drei verschiedenen Schauplätzen ab: Die US-Stars stecken mitten in ihren mehrwöchigen Trials, die TTR zieht die europäischen Hoffnungsträger in den Bann, und im FIS-Weltcup sind für diverse Rider noch wichtige (Olympia-)Punkte zu gewinnen.

Von Sven Schoch, (Si)

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