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Die ''heimlichen Lockout-Verlierer''

Auch wenn der Lockout in der NHL ausgestanden sein sollte: Es gibt eine Menge Verlierer, bei welchen die spielfreien Monate einen bleibenden Schaden anrichteten. Jene Leute, welche den Lebensunterhalt durch den Spielbetrieb der NHL verdienen. Von Joël Wüthrich**

Alles spricht im Zusammenhang mit dem Lockout von den Konzessionen, den Kompromissen oder Lohneinbussen der NHL-Profis und der Clubunternehmen. Aber was passiert eigentlich im Schatten des Arbeitskampfes der ''Big Player'' mit jenen, die ihr Haupteinkommen aus dem Geschäft mit dem NHL-Betrieb generieren?

Es geht um Millionen und um Prinzipien. Die beiden hochdotierten Anwälte Gary Bettman und Donald Fehr mitsamt ihrer Crews kämpfen um die besten Voraussetzungen im Rahmenvertrag. Das sind Verhandlungen auf höchstem Niveau und es geht um Millionen von Dollars.

Da haben andere jedoch ganz andere Sorgen. Es geht um die Existenzgrundlage jener Leute, die ihren Lebensunterhalt durch den Spielbetrieb der NHL verdienen und bei welchen eine Einbusse von 50'000 oder bereits 30'000 Dollar existenzgefährdend sein kann und ist. Sie haben nur ein müdes Lächeln übrig für die Sorgen der reichen Profis. Wir reden hier von all jenen Club-Angestellten und Dienstleister/innen, Stadionmitarbeiter/innen und Zuliefererfirmen, die nun vor einem grossen Problem stehen.

Angestellte mit Einbussen, freie Mitarbeiter mit Lohnausfall!

Ein Beispiel: Der NHL-Crew wie auch den Angestellten der meisten Clubs wurde ab sofort eine Vier-Tage-Woche auferlegt. In manchen Ressorts und Abteilungen sind es gar nur drei bezahlte Arbeitstage. Es mussten gar bis auf weiteres einige Mitarbeiter/innen für die Zeit des Lockouts freigestellt oder gar entlassen werden. Eine Garantie oder ein Bekenntnis auf die Wiederaufnahme des Auftragsverhältnisses, basierend auf die bisherige Zusammenarbeit, gibt es in vielen Fällen, aber ist nicht immer vorhanden.

Manche freie Mitarbeiter erhalten während der ganzen Zeit ohne Spielbetrieb kein Honorar, weil ihre Einkünfte aufgrund von Einsätzen und geleisteten Arbeitstagen abgerechnet werden. Und in Sunrise/Florida verlor der Mitarbeiter, der im Kostüm des Panthers-Maskottchens seiner Arbeit nachgeht, bereits seinen Job.

Denjenigen in den Teppichetagen der Clubs und in der NHLPA scheint inmitten der Prinzipienfragen und dem Feilschen um Millionen der Kollateralschaden nicht immer bewusst zu sein. Einzig die Festangestellten in den Clubs und im NHL Hauptquartier können derzeit einigermassen die persönlichen Einbussen eruieren und damit planen: An den meisten NHL-Standorten werden 20 Prozent der Monatslöhne wegfallen. Ein grosser Einschnitt, sollte der Lockout ein Jahr dauern, aber eher ertragbar, wenn in zwei bis drei Monaten wieder normaler Spielbetrieb herrschen sollte.

Zulieferer vor grossen Problemen

Die grossen Verlierer sind aber die vielen tausend freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Stadien, die auf Tagesgagen-Basis arbeiten und die Zulieferer. Die meisten Dienstleister und Zulieferer (beispielsweise von Entertainment-Einrichtungen, Logistikunternehmen und so weiter) verlieren aufgrund eines möglichen ''Klumpenrisikos'' in ihrem Kundenportfolio bis zu 40 oder 50 Prozent der budgetierten Einnahmen. Budgetiert nicht nur aufgrund des seit Monaten strategisch und konzeptionell geplanten Arbeitseinsatzes der Fachkräfte, sondern auch wegen der bereits bestellten oder für die Einsätze im Stadion vorgesehenen Einrichtungen.

Viele Zuliefererfirmen, die hauptsächlich durch den NHL-Spielbetrieb finanziell existieren, sorgen sich um ihre Zukunft. Die meisten wagen es jedoch nicht, die Stadionbetreiber und Clubs mit Kritik offen zu konfrontieren. Die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses soll auf keinen Fall gefährdet sein.

Viele NHL-Profis ohne Salär und ohne Chance auf ein Europa-Engagement

Nicht zuletzt ist auch ein nicht geringer Teil der NHL-Profis schwer betroffen: Ohne Lohn und ohne Aussicht auf ein Engagement in Europa müssen sich jene Spieler mit einem Gehalt von vielleicht 600'000 USD (cirka 350'000 nach Abzug der Steuern je nach Staat oder Provinz) überlegen, wie sie die Verluste, beziehungsweise die Lohnausfälle ausgleichen. Sie haben meist nicht jene Millionen auf der hohen Kante wie jene Profis, die jetzt darum feilschen, ob sie in Zukunft jährlich statt acht nunmehr ''nur'' sechs Millionen erhalten.

Abschliessend sei noch bemerkt, dass neben jenen Medienproduktions-Zulieferer auch unter den Mediastrategen und Medienplanern viele Verluste eingefahren werden. Minutiös und konzeptionell hat man mit den Medienpartnern die Strategien entworfen und die Medienplanung mitsamt der Produktion eingeleitet. Die TV-Unternehmen beispielsweise reagieren ungehalten über diese Einnahmeverluste. Dasselbe gilt für die Werbe- und Marketingagenturen. Diese Tatsache schmälert das Vertrauen und das Image der NHL bei den wichtigen Werbekunden (speziell in den USA) und wird in der Akquisition künftig nicht hilfreich sein. Zudem wird wohl Bettman bei den nächsten Verhandlungen um die TV-Verträge ein schweres Spiel haben, die gleichen Konditionen zu erhalten.

**Joël Wüthrich schreibt jede Woche einen exklusiven Kommentar oder Beitrag für sport.ch und slapshot.ch über das nationale und internationale Eishockey sowie über die NHL. Er ist seit 1992 Chefredaktor, unter anderem auch der Fachpublikationen Slapshot (2003-2006) und Top Hockey (1999-2003, 2006-2012). Joël Wüthrich leitet eine crossmediale Agentur im Print- und TV-Bereich, ist Crossmedia-Stratege und Mediendozent. Er analysiert seit 25 Jahren als Autor/Chefredakteur für Fachpublikationen in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL sowie die europäischen Ligen und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der 45-jährige Familienvater arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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