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EISHOCKEY NATIONAL LEAGUE
Der Fribourg--Stürmer im Interview
''Schwierigste Phase meines Lebens''
27.02.2015, 15:30
DEIN KOMMENTAR
 

Seit Sandy Jeannins letztem NLA-Einsatz ist viel Zeit vergangen, ein Comeback des Gottéron-Stürmers ist nicht in Sicht. Im Interview mit sport.ch unterhielt sich der 39-Jährige über die Krise bei Fribourg-Gottéron sowie die schwierige Phase während seiner Verletzung.

sport.ch: Sandy Jeannin, wie geht es Ihnen momentan?

Sandy Jeannin: Ich fühle mich besser. Ich habe in den letzten Monaten viele Fortschritte gemacht. Ich bin nicht bereit für den Spitzensport, aber in meinem täglichen Leben fühle ich mich bereits wieder wohl. Das ist schon mal ein erster guter Schritt für mich.

Ihr Team hat eine unglückliche Qualifikation hinter sich. Dazu gab es zum Abschluss im wichtigen Duell mit Kloten eine 0:3-Heimpleite. Wo sehen Sie die Gründe für diese schwache Vorstellung?

Die ganze Saison war schwierig, wir hatten mental viele Hochs und Tiefs zu verkraften. Ich bin natürlich ein wenig enttäuscht, denn das Spiel gegen Kloten war sehr wichtig. Die Mannschaft hat nicht viele Emotionen gezeigt. So haben wir drei wichtige Punkte verpasst, jetzt wird es in der Abstiegsrunde einen engen Kampf zwischen drei Mannschaften geben.

Worin liegen die Gründe für das ungenügende Abschneiden in dieser Saison?

Wir haben die Playoffs nicht in den letzten Spielen verloren, sondern über die ganze Saison hinweg. Wir hatten zu viele Tiefs und zu wenige Hochs. Während der gesamten Spielzeit waren wir zu wenig konsequent. Zudem haben wir nicht auf unserem gewohnten Niveau gespielt, das ist der Hauptgrund für das Scheitern in dieser Saison.

Wie erleben Sie momentan die Stimmung in der Mannschaft?

Klar, wenn's schief läuft sind die Tage lang. Für mich ist die Stimmung allerdings schwierig zu beurteilen, ich bin momentan nicht mitten in der Mannschaft. Aber du fühlst und siehst es, wenn deine Kollegen Probleme haben. Dann leidest du mit.

Worin muss sich Fribourg besonders steigern im Hinblick auf die Abstiegsrunde?

Ich glaube in der momentanen Situation ist es keine Frage der Taktik, sondern eine Frage des Willens. Man muss jetzt den Stolz haben, um die Saison zu retten.

In den Medien wurde Fribourg zuletzt harsch kritisiert: Die Spieler seien "zu weich" und es fehle die "mentale Härte". Es wurden sogar Stimmen laut, die forderten, die vorhandenen Strukturen abzureissen und neu aufzubauen. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Ich habe von den Kritiken gehört. Wenn die Resultate nicht positiv ausfallen, werden schnell solche Stimmen laut. Mit den diesjährigen Ergebnissen müssen wir mit der Kritik leben. In dieser Saison ging schliesslich vieles schief; die Abstimmung hat nicht gestimmt und so erwischten wir einen schlechten Start. Der Druck wurde gross und wir konnten die Geduld nicht bewahren. Vielleicht war in diesem Jahr die Basis der Mannschaft nicht gut genug. Trotzdem glaube ich deswegen nicht, dass alles falsch ist.

Nun zu Ihrer persönlichen Situation: Wie steht es um Ihre Kopfverletzung?

Für mich ist die Saison ganz klar zu Ende. Zu Beginn der Saison hoffte ich darauf, dass ich noch zum Spielen kommen würde. Aber nun hatte ich seit einem Jahr nur leichtes Training und einige physische Tests. Ich fühle mich nicht wohl genug, um Eishockey zu spielen. Wahrscheinlich werde ich nicht mehr spielen.

Gibt es denn schon Pläne für die Zeit nach ihrer Profikarriere?

Nein, ich schaue mich noch um. Ich lasse mir dabei jedoch Zeit. Gerne würde ich dem Eishockey treu bleiben. Ich habe schon einige Ideen und Pläne, doch es ist noch nichts konkret. 

Wie gehen Sie mental mit dieser ungewissen Situation um?

Es ist sehr schwierig mit meiner Verletzung. Wenn man nicht spielen kann, muss man das einfach akzeptieren. Es gibt Tage, an denen mir das leichter fällt, und solche, an denen es mir schwerer fällt. Das ist wahrscheinlich die schwierigste Phase meines Lebens.

Wie Sie wohl wissen, wurden Sie als Sportchef bei Fribourg ins Gespräch gebracht. Gab es Gespräche zwischen Ihnen und Gottéron?  (Anm. der Redaktion: Mittlerweile gilt Christian Dubé als heisser Kandidat auf den Posten als Sportchef)

Nein, es gab keine Gespräche.

Aber mal angenommen Sie wären Sportchef, was würden Sie bei Fribourg-Gottéron ändern?

Ein Sportchef muss eng mit Trainer und Klubführung zusammenarbeiten, um stets die richtige Lösung zu finden. Momentan besitzen fast alle Spieler in Fribourg einen laufenden Vertrag, die Möglichkeiten sind somit nicht sehr gross. Die Probleme müssen analysiert und die Gründe gefunden werden. Man muss wieder an der Basis arbeiten. Vielleicht wollte man in Fribourg einfach ein bisschen zu viel... 

Wie meinen Sie das?

Letztes Jahr waren Bern und Zug in den Playouts. Nur bei Ambri und Rappi ist es "normal", dass sie unter dem Strich sind. Es gibt also sowieso jedes Jahr zwei Mannschaften, die am Ende der Qualifikation enttäuscht dastehen. Als Betroffener siehst du das als Katastrophe an, aber man sollte deswegen nicht den Kopf hängen lassen. Das ist schliesslich nicht tragisch. Ich meine, schauen Sie sich an, wo Bern jetzt wieder steht. Ich glaube also nicht, dass bei Gottéron alles falsch ist.

Was muss denn getan werden?

Wir müssen junge Spieler integrieren, die Mannschaft ist langsam ein wenig alt. Man muss eine Planung über 5 Jahre haben und die richtigen Spieler holen. 

Letzte Frage: Was glauben Sie, wer wird Schweizer Meister 2014/15?

Das ist schwierig. Wir haben auf jeden Fall schöne Viertelfinal-Paarungen. Diese Saison gibt es viele gute Mannschaften, jedes Team hatte während der Meisterschaft mal eine starke Phase. Es wird darauf ankommen, wer das nötige Glück hat und verletzungsfrei bleibt. Kleine Dinge entscheiden am Ende. Auch die Torhüter werden in den Playoffs eine entscheidende Rolle spielen. Welcher Goalie wird heiss laufen? Aus meiner Sicht gibt es vier bis fünf Mannschaften, die den Titel gewinnen können. 

Von Louis Bourquin

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