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EISHOCKEY NHL
NHL-Verteidiger Mirco Müller im Interview
''Vieles ist Kopfsache - Ich wusste immer, dass ich es kann''
09.01.2017, 13:45
Von Adrian Ehrat
DEIN KOMMENTAR
Adrian Ehrat

Nach einer guten Rookie-Saison musste Mirco Müller in der vergangenen und zu Beginn der aktuellen Spielzeit hartes Brot essen und verbrachte einen Grossteil in der AHL. Das Jahr 2017 startete für den Verteidiger mit 3 NHL-Spielen und einem Treffer aber ausgesprochen gut.

Im Interview spricht der 21-Jährige über die aktuelle Situation, sein Leben in Nordamerika und das Pendeln zwischen AHL und NHL.

sport.ch: Was für ein Start ins Jahr 2017. Besser hätte es für dich wohl nicht laufen können...

Mirco Müller: Ja, das kann man so sagen. Es war sicher cool, ein paar Spiele in der NHL spielen und nun auch ein Tor zu schiessen zu können. Das war wirklich sehr erfreuend.

Du hast deinen Treffer gegen Detroit angesprochen. Das muss speziell gewesen sein, du bis ja nicht gerade als Torschütze vom Dienst bekannt...

Das stimmt, ich schiesse nicht so viele Tore. Es war deshalb cool, mal wieder zu treffen. Ich hatte etwas Platz auf meiner Seite und der Schuss hat genau gepasst. Es war mein erstes Heimtor, zuvor hatte ich noch nie im eigenen Stadion getroffen. Dass wir gewonnen haben, hat das Ganze noch abgerundet.

Trotz der guten Leistungen ist dein Platz im Team alles andere als gefestigt. Kommen die verletzten Marc-Édouard Vlasic und David Schlemko zurück, musst du wohl wieder in die AHL. Weisst du schon, wie es weitergeht?

Nein, das weiss ich noch nicht. Bedingt auch durch die Vertragssituationen gibt es momentan nicht allzu viel Platz im Team. Es ist sicherlich gut - auch für die Zukunft - ein paar Spiele gemacht und dementsprechend auch gut gespielt zu haben. 

Ich lasse das meinen Agenten handeln. Ich habe da als junger Spieler ja nicht viel Spielraum und noch nicht viel zu sagen

Das Pendeln zwischen AHL und NHL, zwischen Tribüne und Eisfeld... Hast du dich an das Leben als ''recall player'' gewöhnt?

Man hat keine grosse Wahl. Es ist das Business hier, dass es schnell rauf und runter gehen kann. Vor allem in San Jose, mit beiden Teams in derselben Stadt, geht es umso schneller. Man lernt, damit umzugehen und versucht, sein bestes Hockey zu spielen. Ich bin momentan in dieser Situation, hoffe aber, dass es in der nächsten Saison etwas anders ist.

Wie kann man sich den Austausch mit den Verantwortlichen vorstellen. Wann erfährst du jeweils, wo und ob du spielst?

In der NHL erfahre ich meistens erst am Morgen des jeweiligen Spiels, ob ich spiele. Man gewöhnt sich dran.

Deine Leistungen in den drei NHL-Spielen waren sehr gut. Man kann daraus schliessen, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Ja, ich denke, ich habe ziemlich gut gespielt - auch zuvor in der AHL. Es gibt einem viel Selbstvertrauen, wenn man viel Eiszeit bekommt. Ich habe gemerkt, dass es in der NHL dann auch besser geht, rein von den Matchsituationen her. Spiele sind in dieser Beziehung halt schon noch etwas anderes als Training. In der AHL spielen hilft insofern auch für die NHL.

Lassen sich deine guten Leistungen alleine auf dein gesteigertes Selbstvertrauen zurückzuführen?

Vieles ist Kopfsache. Ich wusste immer, dass ich es kann. Klar, das letzte Jahr war etwas schwierig. Ich habe mich aber gut herausarbeiten können und hatte einen guten Sommer. Ich liess die Situation dann auf mich zukommen und bisher ging das ziemlich gut auf. Mal schauen, wie es weitergeht.

Was fehlt noch für einen Stammplatz in der NHL?

Das Wichtigste für einen jungen Spieler ist es, in jedem Spiel sein Niveau zu erreichen und nicht, dass sich gute und schlechte Spiele abwechseln. Diese Konstanz muss man hinbringen. Das ist ein Punkt, in dem ich mich verbessern wollte und etwas, das mir bisher auch gelang. Solid jeden Abend spielen zu können, die Leistungsschwankungen zu minimieren und ein schwaches Spiel halt nur jedes zehnte und nicht jedes fünfte einzuziehen, hilft schon sehr, um das Vertrauen der Trainer zu bekommen. Das ist das Wichtigste, denn sie bestimmen ja, wie viel Eiszeit man erhält.

Wenn mir jemand ein Fondue vorbeibringt, nehme ich das natürlich gerne entgegen

Und sonst?

Hinzu kommt, dass ich mich sicher in der Offensive noch verbessern kann und am Schuss arbeiten muss. Ich denke, ich habe zwar einen guten, harten Schuss, aber die Seitwärtsbewegungen an der blauen Linie müssen noch besser werden, damit die Schüsse nicht so oft geblockt werden.

Wenn man von der AHL spricht, hört man immer wieder von langen Busreisen oder das Wort ''Knochenmühle''. Wie erlebst du diese Liga?

Ich denke, dass ist ein etwas veraltetes Bild. Es ist sicher nicht einfach, die AHL ist eine spezielle Liga, da viele Spieler kommen und gehen. Jeder will in die NHL, deshalb ist der Konkurrenzkampf sehr gross. Bei uns haben wir aber ein sehr angenehmes Klima innerhalb des Teams. Die Busreisen sind natürlich etwas länger als in der Schweiz, aber ich bin daran gewöhnt aus der WHL. Für einen Schweizer, der direkt rüberkommt und zum ersten Mal diese Erfahrung macht, ist das sicherlich eine Umgewöhnung.

Wie sieht ein normaler, spielfreier Tag in deinem Leben in San Jose aus?

Ich stehe etwa um acht Uhr auf und gehe in die Halle. Danach stehen Training und Mittagessen an. Danach gehe ich meistens nach Hause, um mich etwas auszuruhen, TV zu schauen oder mich mit Kollegen und Familie zu unterhalten. Viel macht man nicht in der Hauptsaison, wir haben sehr viele Spiele momentan. Nach den Reisen hat man dann nicht mehr allzu viele Energie. Am Abend koche ich aber gerne oder gehe mit Kollegen essen.

Du lebst seit fast fünf Jahren in Nordamerika. Fühlst du dich bereits als Amerikaner?

Ich habe mich zwar schon nach einem Jahr an den Lifestyle hier gewöhnt., würde aber schon sagen, dass ich in den meisten Sachen noch mehr Schweizer bin.

Was vermisst du am meisten?

Die Kollegen und die Familie natürlich. Und das Essen. Wenn mir jemand ein Fondue vorbeibringt, nehme ich das natürlich gerne entgegen. Zudem habe ich gerne Berge, ging in der Schweiz sehr gerne Skifahren - das konnte ich schon lange nicht mehr. Und ich vermisse allgemein die schöne Natur in der Schweiz.

Dein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Wie geht es dann weiter?

Ich lasse das meinen Agenten handeln. Ich habe da als junger Spieler ja nicht viel Spielraum und noch nicht viel zu sagen. Ich mache mir da aber keine Sorgen und denke, das klappt dann schon.

Würdest du es vorziehen, in San Jose zu bleiben?

Ja, klar. Ich hoffe, es läuft in diese Richtung. Es ist aber in diesem Jahr mit Las Vegas noch ein bisschen anders. Ich nehme eines nach dem anderen, viel mehr kann ich sowieso nicht tun.

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