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EISHOCKEY WM
Patrick Fischer kann an der WM auf drei starke Torhüter zurückgreifen
Das Luxusproblem im Schweizer Tor
18.05.2017, 14:21
Von David Marbach
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David Marbach

Vor der Weltmeisterschaft in Paris sah es lange Zeit danach aus, als ob Jonas Hiller nach einer soliden Saison bei Biel und vor allem nach der starken Vorbereitung als Nummer eins ins Turnier starten würde. Im ersten Spiel gegen Slowenien startete der Hiller dann auch tatsächlich im Tor. In der restlichen Gruppenphase erhielt jedoch meistens Leonardo Genoni den Vorzug, auch weil sich Jonas Hiller im Training vor dem Spiel gegen Finnland noch eine leichte Zerrung zugezogen hat. Als die Viertelfinalqualifikation vor dem letzten Spiel gegen Tschechien klar war, kam auch der dritte Goalie Niklas Schlegel zum Einsatz.

Beim WM-Auftakt gegen Slowenien wusste Jonas Hiller nicht vollends zu überzeugen und war mit einer Abwehrquote von nur 82,61 Prozent mitschuldig, dass die Schweizer Mannschaft den 4:0-Vorsprung nicht über die Zeit retten konnte. Allerdings hexte er die Schweiz im Penaltyschiessen schlussendlich doch noch zum Sieg gegen den Absteiger Slowenien. Im zweiten Spiel durfte Leonardo Genoni das Schweizer Tor hüten, zeigte einige Glanzparaden und hielt seinen Kasten gegen Norwegen rein. Auch im dritten Spiel gegen Frankreich erhielt der SCB-Goalie den Vorzug gegenüber von Jonas Hiller, konnte aber die Niederlage nach Penaltyschiessen gegen die Gastgeber nicht verhindern. Im nächsten Spiel gelang Leonardo Genoni bereits das nächste Shutout gegen Weissrussland.

Der Geniestreich von Patrick Fischer

Im Spiel gegen die favorisierten Kanadier startete dann nach den starken Leistungen von Genoni ein wenig überraschend wieder Jonas Hiller im Schweizer Tor. Der 35-Jährige kassiert früh im ersten Drittel zwei Gegentore, bei denen man ihm jedoch keine grossen Vorwürfe machen kann. Trotzdem beorderte ihn Nationalcoach Patrick Fischer vom Eis und ersetzte ihn mit Leonardo Genoni. Diesem gelang prompt eine herausragende Leistung, er liess sich nicht mehr bezwingen und hatte einen grossen Anteil daran, dass der Schweiz der Sensationssieg gegen Kanada gelang. Allerdings hatte er bei zwei Pfostenschüssen auch das Glück auf seiner Seite.

Patrick Fischer hat nach dem Spiel gegen Kanada das Gespräch mit Jonas Hiller gesucht und ihm den einfachen Grund für den frühen Wechsel erklärt. Der Goaliewechsel hatte nichts mit der Leistung von Hiller zu tun, sondern war viel mehr von taktischer Natur. Es ging darum ein Zeichen zu setzten und die Mannschaft aufzuwecken. Gemäss SPORTAL-HD-Experte Thomas Roost muss ein Torhüter jedoch mit so einer Situation umgehen können: "Die Goalies kennen diese Situation aus dem "Effeff", da gibt es dutzende Beispiele in einer Saison. Ein Goalie darf das gar nicht persönlich nehmen." Trotzdem ist die Situation für Jonas Hiller nicht ganz einfach.  Der taktische Schachzug von Patrick Fischer ist ideal aufgegangen, ist aber für die restliche WM eher zum Nachteil von Hiller ausgefallen, während Leonardo Genoni sicherlich vom Lauf der Dinge profitiert hat. Am Morgen vor dem Spiel gegen Finnland zog sich der ehemalige NHL-Goalie auch noch eine leichte Zerrung zu und fehlte der Schweiz in den letzten zwei Gruppenspielen.

Auch der dritte Torwart nutzte seine Chance

Als die Qualifikation für die Viertelfinals nach dem klaren Sieg von Kanada gegen Norwegen feststand, kam WM-Neuling Niklas Schlegel gegen Tschechien zum Einsatz. Bei seinem WM-Debüt verhalf der 22-jährige Goalie seiner Mannschaft mit einer starken und abgeklärten Leistung zu drei Punkten. Beim einzigen Gegentor der Tschechen war er machtlos. Trotzdem dürfte der junge ZSC-Torhüter die restliche WM als Zuschauer mitverfolgen, denn im Viertelfinale gegen Schweden wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit Leonardo Genoni im Schweizer Tor stehen.  

"Cooler" Genoni soll die Schweiz ins Halbfinale führen

Der Berner Meisterkeeper weist die beste Abwehrquote aller regelmässig eingesetzten Torhüter der Vorrunde auf und feierte drei Shutouts. Die beiden SPORTAL-HD-Experten Thomas Roost und Andreas Hänni zeigen sich relativ unbeeindruckt von dieser Quote, "weil sie nach so wenig Spielen sehr wenig aussagt." Viel mehr sind die beiden von der unglaublichen Ruhe und Sicherheit, die  Leonardo Genoni auf dem Eis ausstrahlt, fasziniert. EVZ-Verteidiger Robin Grossmann bestätigt den Eindruck der beiden Experten und sagt über Genoni, mit dem er in Davos sechs Jahre zusammengespielt hat: "Er war dort schon extrem wichtig für die Mannschaft und was er diese Saison und auch jetzt zeigt ist einfach unglaublich." Auch Patrick Fischer scheint von der Coolness des 25-Jährigen angetan zu sein, da er nach Informationen von unserem Mann vor Ort, Adrian Ehrat, seinen Torhütern schon vor der WM klar gemacht hat, dass Leonardo Genoni etwas mehr Einsatzzeit erhalten werde. Mit seiner ruhigen Art könnte er den Schweizern im Viertelfinale gegen Schweden als grosser Rückhalt dienen und seiner Mannschaft zum ganz grossen Coup verhelfen.

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