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EISHOCKEY NHL
Welcher GM hat einen „heimlichen grossen Coup“ gelandet?
Die „besten Deals“ des Sommers in der NHL
11.09.2017, 17:15
Von sport.ch
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Zweifellos waren die Vertragsverlängerungen von Ryan Johansen, Evgeni Kuznetsov, Carey Price oder Joe Thornton sowohl taktisch, sportlich aber auch bezüglich Teamchemie oder „strategischer Message“ wichtig. Dennoch gehörten einige andere Vertragsverhandlungen des Sommers, die weniger im Blitzlicht standen, ebenso zu den grossen „Coups“.

Taktisch versierte und effiziente Stürmer für die zweite Linie sind wertvoll. So wertvoll, dass man auch bereit ist, für die Vertragsverlängerungen dieser Spieler Platz in der Salärstruktur zu schaffen. Das beste Beispiel hierfür: Mikael Granlund, Nino Niederreiter und Jason Zucker bilden ein sehr effizientes Trio in Minnesota. Auch wenn sie nicht jedes Spiel in dieser Zusammenstellung auflaufen. Aber diese drei wollte man auf jeden Fall ziehen lassen. Bereits letzte Saison wurde Zuckers Vertrag verlängert, aber mit Nino Niederreiter und Mikael Granlund wartete in diesem Sommer eine grosse Herausforderung bezüglich der Vertragsverhandlungen. Um Platz für ihre neuen Verträge (17,25 Mio. für drei Jahre und 26,25 Mio. für fünf Saisons) zu schaffen, liess man
Jason Pominville und Marco Scandella nach Buffalo ziehen. Auch wenn man dafür als Gegenwert die etwas weniger hoch dotierten Ryan Murphy und Tyler Ennis erhielt, so erzielten sowohl Minnesota wie auch die Buffalo Sabres einen Mehrwert.

Das Geheimnis einer „Win-Win- Ausgangslage“ - Das Beispiel Shattenkirk

Zu den absoluten Top-Deals überhaupt gehörte jedoch jener von Kevin Shattenkirk. Dieser verzichtete auf ein höheres Salär, um bei einem seiner Wunschclubs – den New York Rangers - spielen zu können. Die Blueshirts nutzten diese Vorgabe für eine Win-Win- Verhandlung, die dem Offensivverteidiger vier Jahre jeweils 6,65 Millionen einbringen wird. Gleichzeitig ist nun mit Ryan McDonagh/Kevin Shattenkirk ein neues Verteidiger-Traumduo entstanden. Intelligent eingefädelt wurde die Verpflichtung von Patrick Marleau. Die Toronto Maple Leafs wollten für ihre junge Truppe einen Mentor und Paten und auch hier ergab sich die Win-Win- Situation. Marleau erhielt einen Dreijahresvertrag im Wert von 18,75 Millionen. Eine weitere „taktisch“ geprägte Geschichte war der Tausch Jonathan Drouin/Mikhail Sergachev zwischen Montreal und Tampa Bay. Tampa war heiss auf den jungen Verteidiger und Erstrunden-Draftpick 2016, während Montreal mit Drouin
einen neuen spielstarken – und ebenfalls noch jungen - frankokanadischen Publikumsliebling engagierte (33 Millionen für sechs Jahre). Einer der „Sieger“ des Sommers war Sam Gagner, der seine letzten beiden guten Saisons mit einem Dreijahresvertrag mit Vancouver (Jahressalär 3,15 Mio. - vorher kostete er nur gerade 650'000 pro Jahr!) vergolden konnte.

„Kompromiss-Verträge“, die allen nutzen...

Oft spricht man bei den „heimlichen Top-Deals“ im Schatten der grossen, medienwirksamen Vertragsverhandlungen von einem „Bargain“ - einem „Schnäppchen“. So ein Fall ist Chris Kunitz (vierfacher Stanleycup-Sieger, erfahrener Skorertyp, für ein Jahr bei Tampa Bay zu einem Jahresgehalt von „nur“ zwei Millionen) oder auch Patrick Sharp, der die Chicago Blackhawks nur eine Million kostet (Laufzeit ein Jahr). Ein absoluter „Bargain“ ist die Verpflichtung von Ex-Nummer Eins-Draftpick Nail Yakupov (Colorado, ein Jahr, 875'000). Auch Buffalo darf sich nach dem Pominville/Scandella-Coup erneut auf die Schulter klopfen, haben sie doch mit Benoit Pouliot einen zuverlässigen Skorer mit einem Einjahresvertrag für nur 1,15 Millionen ausgestattet.
Ebenso ein „Schnäppchen“: Mark Streits „Kompromiss-Vertrag“ mit Montreal (700'000 für ein Jahr), der den „Habs“ Tiefe in der Verteidigung verleiht. Ein Glücksgriff ist ausserdem auch die Verpflichtung Mike Cammalleri durch die L.A. Kings. Er kommt für zunächst einmal ein Jahr und einer Million Salär zurück an die alte Wirkungsstätte. Bei vielen Fachleuten bezeichnet man den Wechsel von Scott Hartnell nach Nashville als einen der besten Deals des Sommers. Der NHL-Veteran bringt den „Preds“ die dringend benötigte zusätzliche Robustheit – für eine Saison und „nur“ eine Million. Der Trend zum Einjahresvertrag und Kompromissen im Honorar für erfahrene NHL-Cracks war im Sommer 2017 eine der auffälligsten Beobachtungen im Transfermarkt.

Ein Top-Goalie ist und bleibt „Price“-less!

Im Schatten des grossen Carey Price-Deals stechen drei weitere Goalie-Vertragsverhandlungen des Sommers 2017 ins Auge: Ryan Miller wechselte nach Anaheim als Backup für zwei Jahre zum Preis von 4 Millionen jährlich. Damit haben sich die Ducks mit dem 37jährigen einen der besten Backups der Liga gesichert, der auch als Nummer Eins noch besteht. Ebenfalls gefeiert wurde Philadelphias Verpflichtung von Brian Elliott. Die Laufzeit von zwei Jahren erscheint vernünftig wie auch der Preis (2,75 pro Jahr). Haben die Flyers nun endlich wieder einen „echten Nummer Eins-Keeper“ in
ihren Reihen, der langfristig zur Topelite gehören kann? Kontrovers jedoch war die Verpflichtung von Steve Mason in Winnipeg. Die Jets entlöhnen den Pavelec-Ersatz sehr fürstlich (8,2 Mio. für zwei Jahre!) und erhöhen somit den Druck auf die beiden jungen Keeper Connor Hellebuyck und Michael Hutchinson, die einst als die Goalies der Zukunft der Jets galten.

Von Joël Ch. Wüthrich**

** Joël Ch. Wüthrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der
Fachpubikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen und Produktionen, unter anderem leitete er auch die Fachpublikationen Slapshot (2003-2006, 2013) und Top Hockey (1999-2003, 2006-2012). Joël Wüthrich leitet hauptberuflich ein crossmedial aufgestelltes PR-Büro und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der 50-jährige Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil
seiner Verwandtschaft wohnt.

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