!
Durch Nutzung dieses Dienstes und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen X
fb twitter
/a>
EISHOCKEY
 
EISHOCKEY
Thomas Roost blickt auf kuriose Episoden der letzten 20 Jahre zurück
Von der Entwicklung des Scoutingwesens und einem übergewichtigen NHL-Goalie
13.01.2018, 12:56
Von sport.ch
DEIN KOMMENTAR
 

Wenn ich über Eishockey diskutiere und/oder schreibe dann versuche ich immer einen substanziellen Beitrag zu leisten, ich nehme meine Scoutingtätigkeit und meine langjährige Erfahrung als Beobachter der Eishockeyszene ernst. Ich will aber nicht vergessen, dass Eishockey vor allem Entertainment ist und auch das Augenzwinkern nicht vergessen werden darf.

Ich will darum in dieser Kolumne auch etwas augenzwinkernd auf meine mittlerweile über 20 Jahre NHL-Scouting zurückblicken und dies mit der einen und anderen skurrilen Geschichte die mir mindestens so nachhaltig in Erinnerung bleibt wie mein Staunen über das Talent der seinerzeit 15- Jährigen Sidney Crosby, Connor McDavid oder Nico Hischier.

Here we go: In meinen ersten Jahren als NHL-Scout waren wir “nur” gefordert, am Saisonende unsere internationalen Rankings abzuliefern und im Team haben wir jeweils diskutiert, ob jetzt an 197. Stelle der nächstbeste Tscheche oder ein Schwede rangiert werden soll. Wir waren wirklich überfordert – denn es gab noch keine sehr strukturierten Reports zu dieser Zeit. Wir haben dann bei der Durcharbeitung der Fragebogen festgestellt, dass der Tscheche bei den Hobbies “Mode” aufgeschrieben hat und kamen zum “Schluss”, dass jemand mit Mode als seinem Hobby kaum ein „richtiger“ Hockeyspieler werden kann... Somit wurde dieser Tscheche um fünf Positionen nach hinten durchgereicht ;-). Bei der Diskussion ging es noch nicht so sehr um Detailbeschreibungen der Spieler, so dass ich mich auch gut an die Statements eines europäischen Scouts in unserem Team erinnere, wenn wir ihn über die Qualitäten dieses oder jenes Spielers befragt haben. “He is not bad”… und der andere? “He is also not bad”. Was zeichnet denn Spieler X aus? “He is not bad in skating and not bad with the puck”. Alles was er immer über Spieler gesagt hat war “he is not bad”. Er ging als unser “Mr. Not Bad” in die Geschichte unseres Scoutingteams ein. Es versteht sich von selbst, dass bei den stetig steigenden Ansprüchen an die Scoutingreports “Mr. Not Bad” ziemlich schnell aus unserem Team verabschiedet werden musste. Heute ist es so, dass wir gefordert sind, detaillierte Reports mit Stärken/Schwächen-Profilen über hunderte von Spielern laufend online einzureichen, einem bestimmten Schema folgend. Die Scoutingszene, die Scoutingqualität und der Scoutingaufwand hat sich in diesen über 20 Jahren enorm verändert und entwickelt.

Sprachprobleme und ihre amüsanten Folgen

Abgelöst wurde “Mr. Not Bad” durch “Mr. Big”. “Mr. Big” war am Anfang seiner Scoutingtätigkeit der englischen Sprache noch nicht so ganz mächtig, was hin und wieder zu Missverständnissen führte wie z.B. bei einer Steakbestellung. Die Frage wie er denn das Steak gerne hätte, hat er mit grossen Augen und grossem Mund mit “BIG” beantwortet. Seither ist er unser Mr. Big. Eine Anekdote aus Uebersee: Als Jari Kurri als junger Spieler in die NHL übersiedelte sprach er am Anfang kaum ein Wort englisch und um sich in komplizierten Situationen elegant aus der Affäre zu retten, wie z.B. bei einer Bestellung in der bevorzugten Pizzeria, hat er immer zuerst den Teamkollegen bestellen lassen und dann für sich selbst “same for me” geordert. Dies wurde zum „Running Gag“ und es hat nicht lange gedauert, bis die Pizza “same for me” kreiert wurde und die Pizza “same for me” wurde selbstverständlich ein Verkaufsschlager.

Ein etwas unorthodoxer Goalie

Bleiben wir beim Essen: Ich erinnere mich an eine U18-WM in Finnland bei der die russische Delegation einen etwas unorthodox gebauten Goalie im Kader hatte. Er war die Nummer 1 und hat zu unserem Erstaunen gut gehalten. Wir haben das Teamhotel der Russen aufgesucht und wollten einige Informationen über diesen Goalie aus Kreisen der Russen erhalten. In der Lobby begegnete uns zufällig dieser Goalie, er führte einen Riesendoughnut “spazieren”. Der Doughnut war so ungefähr die Karikatur seiner Figur, es hat perfekt gepasst. Wir haben uns dann mit dem russischen Assistenzcoach über diesen Goalie unterhalten und kritische Fragen zu seiner Athletik und Fitness gestellt. Sinngemäss hat er uns wie folgt geantwortet:

Hört mal gut zu: Dieser Goalie ist kein Athlet, er ist faul, er ist schwer von Begriff und er ist fett. Aber: Er stoppt den Puck!

Interessanterweise wurde zwei Jahre später Russland U20-Weltmeister mit eben diesem Goalie als ihre Nummer 1 und er wurde auch für die NHL gedraftet. Jahre später hat er sich dann aber aus dem professionellen Hockey verabschieden müssen, sein Gewicht hatte mittlerweile für einen Hockeygoalie untragbare Dimensionen angenommen. Er war vermutlich einer derjenigen NHL-Draftpicks die sich selbst aus der NHL hinausgegessen haben.

Klavierspiel als Vorbereitung zum Shutout

Eine meiner Lieblingsstories ist diejenige des schwedischen Goalies beim U18 Ivan Hlinka Gedenkturnier vor vielen Jahren. Wir waren im selben Hotel einquartiert wie die Schweden und ich kam von einem kleinen Einkaufsbummel zurück ins Hotel als ich die schwedische Delegation aufgeregt diskutieren sah. Der Teambus stand zur Abfahrt bereit für das anstehende Spiel und die Spieler sassen bereits im Bus, aber die Teamdelegierten gestikulierten wild. Es stellte sich heraus, dass ein Spieler fehlte, der Goalie! Nach einigen Minuten des Wartens und Suchens haben sie ihn gefunden. Er sass an der Hotelbar am Klavier, hat gespielt, gesungen und die Zeit vergessen. Interessant die Reaktion der schwedischen Coaches: Er wurde nicht etwa intern gesperrt sondern spielte wie geplant… und dankte dieses Vertrauen mit einem Shutout! Dieser Goalie ging später als “Mark In Da Park” in die Geschichte ein und zwar als Kandidat in einer schwedischen Musikcastingshow. Als Hockeygoalie hat er einige Jahre auf professionellem Niveau gespielt, nicht aber in der NHL.

Auf Episoden in denen ich persönlich involviert war verzichte ich an dieser Stelle. Nein, selbstverständlich gab es bei mir keine naturtrüben Bierrunden zu später Stunde in vernebelten Provinzstädten, düsteren Quartieren und schummerigen Bars, auf jeden Fall kann ich mich nur sehr dunkel daran erinnern ;-)

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.

DEIN KOMMENTAR
NÄCHSTER ARTIKEL
AKTUELLE VIDEOS FÜR DICH
DEINE MEINUNG INTERESSIERT UNS
SPORTAL HD 24/7
FOLGE UNS AUF FACEBOOK
EISHOCKEY ARTIKEL
DIAZ TRAUERT NOCH, MEIER SCHAUT NACH VORNE
TIMO MEIER: ''WIR WOLLEN DIESE GOLDMEDAILLE!''
Von SPORTAL HD
AUCH VON DER SCHWEDISCHEN PRESSE GIBT ES LOB
''DIE SCHWEIZER SPIELTEN MIT HERZEN SO GROSS WIE DAS MATTERHORN''
Von sport.ch | Si
DIE WICHTIGSTEN AUSSAGEN DER PRESSEKONFERENZ
PATRICK FISCHERS STOLZ AUF DIESE ''GANZ SPEZIELLE MANNSCHAFT''
Von sport.ch | Si
MEHR LADEN
WEITERE ARTIKEL
SAISONRüCKBLICK SION: CONSTANTIN KANN WIEDER NICHT ZUFRIEDEN SEIN
IM WALLIS NICHTS NEUES - DER FC SION MIT NÄCHSTER TURBULENTEN SAISON
Von Jan Haag
DER SOMMER-TRANSFER-WAHNSINN IST ZURüCK!
TRANSFERTICKER: EIN NEUER KEEPER FÜR SION - EMERY WOHL NEUER ARSENAL-COACH
Von sport.ch
GEFEUERTER TEAMCHEF STREICHT TESTFAHRTEN IN BARCELONA
''SCHIESST MI AA'' - NEUER TIEFPUNKT IM MARC-VDS-TEAM VON TOM LÜTHI
Von sport.ch | Si
MEHR LADEN
NEWSLETTER
Wir möchten euch die unterhaltsamsten Artikel, News und Videos senden. Immer top aktuell informiert sein!
* indicates required
DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN...
DER SOMMER-TRANSFER-WAHNSINN IST ZURüCK! 
TRANSFERTICKER: EIN NEUER KEEPER FüR SION - EMERY WOHL NEUER ARSENAL-COACH
Von sport.ch
DER NATI-TRAINER 'FROM ZERO TO HERO' 
SORRY, PATRICK!
Von sport.ch
SCHWEIZ VS. SCHWEDEN 2:2* 
JETZT IM VIDEO: DIE TORE AUS DEN ERSTEN BEIDEN DRITTELN DES WM-FINALS
Von zvg
SCHWEIZ VS. SCHWEDEN 2:3 N.P. 
WIE BITTER IST DENN DAS: SCHWEIZER VERLIEREN PENALTYKRIMI UND HOLEN SILBER
Von Si
AUCH VON DER SCHWEDISCHEN PRESSE GIBT ES LOB 
''DIE SCHWEIZER SPIELTEN MIT HERZEN SO GROSS WIE DAS MATTERHORN''
Von Si
WECHSEL ZU DORTMUND NOCH NICHT BESTäTIGT 
FAVRE HAT INS NIZZA ''AUSGECOACHT''
Von Si
MEHR LADEN