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Stolpert der Topfavorit zum dritten Mal im Finale?
Rapperswil-Jona: Der SCB der Swiss League?
04.04.2018, 11:48
Von sport.ch
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Für die gesamte Saison waren die Rapperswil-Jona Lakers der grosse Favorit zum Aufstieg in die National League und haben die Qualifikation der Swiss League dominiert. Mit dem Sieg im Cup hat man diese Ambitionen noch einmal deutlich unterstrichen. Doch jetzt wankt der Favorit im Playoff. Wird am Ende etwa zum dritten Mal die Enttäuschung stehen?

Zweimal in Folge scheiterte der SC Rapperswil-Jona seit dem Abstieg im Finale der ehemaligen NLB. Nun stehen die Zeichen für den Aufstieg so günstig wie noch nie zuvor: Der SCRJ war in der Qualifikation fast noch dominanter als der SCB in der National League und gewann die Qualifikation mit siebzehn Punkten Vorsprung, den klar wenigsten Gegentoren sowie den meisten erzielten Treffern. Dazu kommt mit dem EHC Kloten ein National-League-Team, das den vielleicht schwächsten Auftritt seit Jahren zeigt (ironischerweise dürfte der letzte ähnlich desolate Auftritt derjenige der Lakers in der Abstiegssaison 2014/15 gewesen sein) und damit hervorragende Aufstiegschancen. Der EHC Olten hat jedoch ebenfalls NL-Ambitionen angemeldet – und steht nun dem SCRJ vor der Sonne?

Die Berner Krankheit: Eine zu einfache Qualifikation?

Der SC Bern erlebt momentan in der National League sein blaues Wunder: Als haushoher Favorit mit dominanter Qualifikation angetreten und im Viertelfinale gegen Servette kaum gefordert, kämpfen die Berner nun mit einem ZSC, der nach dem Sieg gegen Zug auf einer unglaublichen Welle schwimmt. Ähnliches widerfährt nun dem SC Rapperswil-Jona, der nach einer ungefährdeten Qualifikation gegen die EVZ Academy in vier Spielen gewann. Im Halbfinale gegen Ajoie erfuhr man erstmals etwas Gegenwehr, aber setzte sich letztendlich dennoch in sechs Spielen und ohne Heimniederlage durch. Dazu kommt: Weder die EVZ Academy noch Ajoie wollen aufsteigen. Mit dem Titel der Swiss League nur als „Zusatz“ vor Augen fehlte der letzte Biss im Spiel, und die Rapperswiler konnten sich mit ihrem Talent durchsetzen.

Bei Olten kann davon keine Rede sein. Die Powermäuse hatten wie der ZSC, um beim National-League-Vergleich zu bleiben, eine schwierige Saison mit einem Trainerwechsel von einem Schweden (Bengt-Ake Gustafsson) zu einem Nordamerikaner (Chris Bartolone). Im Viertelfinale mag mit dem HC Thurgau auch kein Schwergewicht der Swiss League gewartet haben, aber spätestens seit dem Halbfinal mit dem Derby gegen Erzrivale SC Langenthal ist der EHCO so richtig im Playoff-Modus. Das erste Spiel in Rapperswil, das man gleich 0:5 verlor, kann man als Betriebsunfall abtun. Auch hier dient der ZSC als Vorbild: Im ersten Spiel in Zug chancenlos, kamen die Lions mit einer kämpferischen Leistung im Hallenstadion zurück. Solch eine Story will nun auch Olten schreiben.

Dabei hilft dem EHC Olten nicht zuletzt die unglaubliche Unterstützung im Eisstadion Kleinholz. Am letzten Samstag war das Stadion ausverkauft (in Rapperswil war dies zweimal nicht der Fall) und voller Fans, die von Anfang bis Ende des Spiels unermüdlich ihre Mannschaft anfeuerten. Diese Kulisse schien Olten zu tragen. Der Unterschied zwischen dem leidenschaftlichen, kämpferischen Olten zuhause, das um jede Scheibe kämpft und nach jedem Pfiff aggressiv nachsetzt, sowie dem Olten der Auswärtsspiele, das zwar mutig spielt, aber nicht diese letzte Entschlossenheit zeigt, könnte heute erneut zum entscheidenden Faktor werden.

Rapperswils zwei Probleme: Das Powerplay und Matthias Mischler

Das grosse Problem der Rapperswiler ist jedoch nicht fehlender Einsatz oder Willen zum Sieg. Die Unterschiede der Teams sind in dieser Hinsicht zwar vorhanden und könnten in dieser engen Serie entscheidend sein, aber noch mehr Auswirkung hat ein ganz anderer Faktor. In Spiel zwei und drei blieb der SCRJ für über fünf Drittel ohne Tor. Erst im letzten Drittel konnte Rapperswil Matthias Mischler im Oltener Tor überwinden und damit für die Wende sorgen. Dabei leiden die Lakers eigentlich nicht an Ladehemmung: Rapperswil verzeichnet in jedem Spiel mehr Torschüsse als Olten, im Schnitt beinahe neun Abschlüsse mehr pro Spiel. Aber mit den Toren funktioniert es aus zwei Gründen nicht.

Erstens ist da das Powerplay. Die Nachlässigkeit der Rapperswiler ist schlicht und einfach nicht finalwürdig. Der EHC Olten gewährt den Lakers bislang genau doppelt so viele Powerplays wie umgekehrt, aber Rapperswil hat lediglich ein Tor in Überzahl erzielt. Im dritten Spiel sind es gar sieben Powerplays, die nicht zu einem Tor führen. Stattdessen sind es die Oltener, die ihrerseits in Unterzahl das 0:1 schiessen.

Das zweite Hindernis des SC Rapperswil-Jona heisst Matthias Mischler. Der 28-jährige Berner spielt seine siebte Saison in der NLB und seine dritte bei Olten, und es ist bislang seine beste. Mit einer Fangquote von 92.5% war er in der Qualifikation gemeinsam mit Reto Lory die Nummer 3 der Liga; im Playoff konnte er diese sogar noch ganz leicht steigern. Insbesondere in den Halbfinals und der Finalserie hielt Mischler bislang überragend und zeigt in Spiel 2 und 3 einige ganz grosse Paraden. Das ist bei Olten auch absolut nötig, denn die Solothurner schiessen bereits die ganze Saison über, und vor allem in diesen Playoffs, wenige Tore. Schaffen sie es jedoch wie bisher, die Offensivbemühungen der Rapperswiler zu vereiteln, liegt dennoch eine Überraschung drin.

Spiel 4: Oltens letzte Chance?

Bei allen Vorteilen wirkt Olten in dieser Serie dennoch nicht wirklich überlegen, die Begegnung steht immer noch auf Messers Schneide. Insbesondere blieb der EHCO bislang den Beweis schuldig, dass er auch in Rapperswil gewinnen kann. Das ist allerdings mindestens einmal nötig, um Swiss-League-Meister zu werden. Heute Abend könnte daher für die Oltener bereits ein vorentscheidender Moment sein, denn mit einer Niederlage im Kleinholz wären gleich zwei Auswärtssiege nötig. Bei einem Sieg hingegen bleibt Olten lediglich eine weitere Chance. Allerdings haben die Powermäuse bereits mit ihrer wuchtigen Antwort auf die 0:5-Niederlage im Startspiel bewiesen, dass sie mit solchen Situationen umgehen können. Damit bleibt der Swiss-League-Final wohl auf weiteres völlig offen.

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