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FORMEL 1
Anpassungen interner Arbeitsprozesse führten zum Erfolg
Ferraris Schachzüge und Lösungen in der Grauzone
02.09.2017, 04:44
Von sport.ch | Si
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Die Gründe für die sportliche Auferstehung der Scuderia Ferrari in der Formel 1 sind vielschichtig: Umstrukturierungen sowie raffinierte Schachzüge und Lösungen in der Grauzone des Reglements

Da waren nur noch Frust und die lähmende Gewissheit, die Erwartungen nicht erfüllen und die hoch gesteckten Ziele ein weiteres Mal nicht erreichen zu können. Die Klassierungen im Grand Prix von Italien vor zwölf Monaten hatten für Ferrari etwas Symbolhaftes. Die Plätze 3 und 4 für Vettel und Kimi Räikkönen im Heimspiel in Monza waren Spiegelbild einer Saison, in der es zu Podesträngen reichte, in der es der Deutsche und der Finne aber nie schafften, sich auf Augenhöhe mit den Fahrern in den überlegenen Mercedes bewegen zu können. Vettel und Räikkönen beendeten ihr zweites gemeinsames Jahr bei Ferrari sieglos und desillusioniert.

Anpassung interner Arbeitsprozesse

Tempi passati. Heuer ist alles anders. Besser, für Ferrari erfreulicher. Die Scuderia hat den Rank endlich wieder gefunden. In der Zentrale in Maranello haben sie die richtigen Schlüsse aus der jüngsten Vergangenheit gezogen und die richtigen Beschlüsse gefasst. Tönt ganz einfach. Doch was steckt genau dahinter? Was hat Ferrari zurück an die Spitze gebracht? Details der Metamorphose vom chancenlosen Herausforderer zum ernsthaften Titelkandidaten werden selbstredend keine preis gegeben. Allgemeine Angaben darüber, wo der Hebel angesetzt wurde, müssen reichen. Auf jeden Fall haben Veränderungen auf allen relevanten Ebenen zur Kehrtwende beigetragen.

Am Ursprung steht die Anpassung der internen Arbeitsprozesse. Mattia Binotto, ein in Lausanne geborener Italiener, hat seit seiner Beförderung vor gut einem Jahr zum Technischen Direktor die Strukturen optimiert, die ein effektiveres Vorgehen erlauben. Die Abteilungen im Hause Ferrari präsentieren sich wieder als Einheit. Diese Stabilität erleichtert die stete Weiterentwicklung von Motor und Chassis.

Vorteil im Bereich des Reifen-Managements

Der Antriebsstrang hinkt leistungsmässig jenem von Mercedes zwar noch geringfügig hinterher. Die Vorzüge des aktuellen Autos, in Anlehnung an das 70-jährige Bestehen des Unternehmens SF70H genannt, machen das kleine Defizit indessen wett - mittlerweile selbst auf Hochgeschwindigkeitskursen wie in Francorchamps oder Monza. Den am häufigsten genannten Vorteil bringt der Ferrari Ausgabe 2017 im Bereich des Reifen-Managements. Aber auch in Bezug auf die Aerodynamik, die im vergangenen Jahr eine der Schwachstellen war, erreicht der Wagen Spitzenwerte. Dass sie sich mit den Anpassungen etwa beim Heckflügel oder beim Unterboden in der Grauzone des Reglements bewegen, ist den Ingenieuren bewusst. Illegales Tun, wie von der Konkurrenz vermutet, kann ihnen aber nicht nachgewiesen werden.

Neben den technischen Fortschritten haben auch raffinierte Schachzüge schon lange vor Beginn der Saison zum aktuellen Erfolg beigetragen. Der Entscheid, das letztjährige Auto bis zum Ende der letztjährigen WM weiter zu entwickeln, um den Defiziten auf die Spur zu kommen und aus den Fehlern zu lernen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Die Suche nach den Ursachen für den instabilen Abtrieb des Ferrari SF16-H war bei der Lösung für das Nachfolgemodell von eminenter Bedeutung. Zudem kommt die optimale Nutzung der Reifen nicht von ungefähr, denn Ferrari hatte sich konsequent mit der Entwicklung der von Pirelli gelieferten Walzen beschäftigt. Ein Auto des Jahrgangs 2015 wurde so umgebaut, dass Erfahrungen für das jetzige Auto gesammelt werden konnten.

Vettel und Raikkönen wirkten bei der Entwicklung mit

Auch betreffend Testfahrten hatten sich die Verantwortlichen von Ferrari für die beste Lösung entschieden. Im Gegensatz etwa zu Mercedes und Red Bull, die beim vorsaisonalen Üben vorwiegend das Ersatzpersonal zum Einsatz brachten, sassen bei den Roten vorwiegend Vettel und Räikkönen im Auto - und konnten so ihre persönlichen Beitrag auf der Suche nach Optimierung einbringen. Vettel überliess betreffend Reifen auch neben der Strecke nichts dem Zufall. Mehrmals besuchte er das Pirelli-Werk in Mailand, um sich mit den Ingenieuren auszutauschen. Das angeeignete Wissen erleichtert die Abstimmungsarbeiten an den Grand-Prix-Wochenenden erheblich.

Der immense Aufwand trägt Früchte. "Wir sind jetzt wieder auf jeder Strecke konkurrenzfähig", konnte der zufriedene Vettel am vergangenen Sonntag nach dem Grand Prix von Belgien konstatieren. In Maranello sind die Zuversicht und der Glaube an die eigene Stärke endgültig zurück.

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