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FUSSBALL INTERNATIONAL
Out in der Barrage gegen Schweden
Abschied einer Legende: Gigi Buffon sagt der Squadra Azzurra ''Ciao''
14.11.2017, 11:55
Von Dario Bulleri
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Dario Bulleri

Am Dienstagabend um etwa 22:45 Uhr war Italien der Tränen angelangt. Der vierfache Weltmeister hatte im San Siro gegen Schweden dominiert, aber am Ende doch nur 0:0 gespielt. Nach der 0:1-Pleite im Hinspiel bedeutete dies, dass die stolze Fussballnation Italien nicht an die WM nach Russland reisen wird. Und inmitten all dieser Tränen ging auch eine beeindruckende Nationalmannschaftskarriere zu Ende: Diejenige von Altmeister Gianluigi Buffon.

Der Goalie-Legende bleibt somit der gewünschte Abschluss für seine Karriere im Dress der Squadra Azzurra verwehrt. Schon lange hatte der 39-Jährige seinen Rücktritt aus der Nati angekündigt, nur hätte der Schlusspunkt die Endrunde in Russland sein sollen. Stattdessen endete die eindrückliche Karriere auf dem Rasen von San Siro nach 175 Partien, zusammen mit denjenigen seiner langjährigen Kollegen Andrea Barzagli und Daniele De Rossi. Auf gewisse Art und Weise machte dieses Ende aber auch Sinn. Denn bei Buffon schloss sich so gewissermassen der Kreis.

Die Nationalmannschaftskarriere des Juve-Goalies begann am 29. Oktober 1997, also etwa eineinhalb Jahre, bis sein Nachfolger im Italien-Tor, Namensvetter Gianluigi Donnarumma zur Welt kommen würde. Das Debüt kam so unerwartet wie das Ende: Ausgerechnet in der WM-Barrage für die Endrunde 1998 zwischen Russland und Italien verletzte sich Italiens Stammgoalie Gianluca Pagliuca nach 30 Minuten, für ihn kam der 19-Jährige Buffon zu seinem ersten Einsatz für die "Azzurri". Wie auch bei seiner Abschiedsvorstellung gab es ein Unentschieden: Die Partie endete 1:1, ausgerechnet Mitspieler Cannavaro verhinderte mit einem Eigentor, dass Buffon ohne Gegentor blieb.

Im Rückspiel setzte sich Italien dann wieder ohne den Mann aus Carrara mit 1:0 durch und reiste an die WM in Frankreich. Es war die erste von Buffon, der aber damals als Ersatzkeeper vor Ort war und zu keinem Einsatz kam. Doch bereits damals wussten schon alle, dass die Zukunft dem hochtalentierten Parma-Keeper gehören würde. Nach dem Turnier fand nach und nach die Wachablösung statt und Buffon etablierte sich als Stammgoalie der Nationalmannschaft.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Zu Beginn sah es allerdings noch danach aus, als ob es zwischen der "Squadra Azzurra" und Gigi Buffon nicht zur grossen Liebesgeschichte kommen würde. Vor dem ersten vermeintlichen Karriere-Höhepunkt, der Europameisterschaft 2000, verletzte sich Buffon in einem Testspiel gegen Norwegen schwer und verpasste so die Endrunde. Und auch die WM 2002, sein erstes Turnier als Stammgoalie, endete auf bittere Art und Weise: Die als Mitfavoriten angereisten Italiener scheiterten bereits im Achtelfinal sensationell an Gastgeber Südkorea.

Es sollte nicht die einzige Enttäuschung an Weltmeisterschaften bleiben für Buffon. 2010 blamierte sich die Squadra Azzurra bis auf die Knochen, als man in einer vermeintlich einfachen Gruppe mit Paraguay, Neuseeland und der Slowakei ohne Sieg scheiterte. Dabei erlitt Buffon einen Bandscheibenvorfall, musste daraufhin vier Monate lang pausieren und wurde von mehreren Journalisten bereits quasi totgeschrieben. Auch 2014 endete die Weltmeisterschaft mit einer Enttäuschung, als die Italiener trotz einem Auftaktsieg gegen England nach Pleiten gegen Costa Rica und Uruguay erneut schon nach der Gruppenphase abreisen muss.

Dennoch kann "Gigi Nationale" auf eine erfolgreiche Nationalmannschaftskarriere zurückschauen, denn im Jahr 2006 konnte der Keeper seine grossartige Karriere mit dem Weltmeistertitel vergolden. Mit einem Team voller Legenden wie Maldini, Pirlo, Totti oder del Piero gewann Italien den heiss ersehnten Titel, Buffon musste im ganzen Turnier nur gerade zwei Gegentore hinnehmen. Unvergessen bleiben vor allem seine Glanzparaden im Halbfinal gegen Lukas Podolski und im Final gegen Zidédine Zidane, mit denen er dem deutschen Sommermärchen ein Ende setzen und Italien schliesslich zum Titel führen sollte.

Sportsmann in jeder Hinsicht

Natürlich hat Buffon auch wegen seinen jahrelang konstanten Leistungen in Italien und in der gesamten Fussballwelt Legendenstatus erlangt, der Hauptgrund ist aber seine in jeder Hinsicht vorbildliche Haltung. Buffon gilt als äusserst fairer Sportsmann, immer wieder klatscht er sich während einer Partie mit Gegenspielern ab und weiss auch nach einer bitteren Niederlage die Leistung des Gegners anzuerkennen. Und auch vor und nach dem Spiel ist das vorbildliche Verhalten Buffons immer wieder zu sehen, wie beispielsweise vor seiner letzten Partie gegen Schweden. Als die italienischen Fans während der schwedischen Nationalhymne zu einem Pfeifkonzert anstimmten, begann "Gigi" demonstrativ zu klatschen - es war nicht das einzige Mal in seiner Karriere, dass er mit solchen Gesten an die Fairness der Fans appellierte. 

In Italien ist Buffon einer von wenigen Spielern, die nicht nur von den eigenen Anhängern, sondern auch von gegnerischen Fans respektiert wird. Nicht nur die Juve-Fans, sondern auch die Anhänger der Rivalen wie Inter und Milan schätzen ihren Capitano der Nationalmannschaft. Der 39-Jährige verkörpert die italienische "Grinta", eine Art positive Verbissenheit, welche die Anhänger so mögen. Buffon zeigt sich während wichtigen Partien äusserst emotional und kaum ein italienischer Fussballfan kann den "Inno di Mameli", die Nationalhymne, hören, ohne dabei Buffon vor sich zu sehen, der mit geschlossenen Augen und unübersehbarem Stolz lautstark mitsingt.

Es war kein Zufall, dass ausgerechnet Buffon und nicht etwa der gescholtene Trainer Gian Piero Ventura nach dem Drama gegen Schweden im italienische TV sich gleich nach der Partie zum Interview hinstellte. Unter Tränen bestätigte der Goalie seinen Nationalmannschafts-Rücktritt und betonte, wie schmerzhaft dieses Aus sei, nicht vor allem für sich selbst und seine auf unschöne Art und Weise geendete Karriere, sondern für die italienischen Fans und den Fussballnation Italien. Allerdings habe die "Squadra Azzurra", wie er gegenüber dem ebenfalls emotionalen Reporter antwortete, eine positive Zukunft vor sich. Seine Nachfolger, Donnarumma und Perin, werden ihn vergessen machen. Es zeigt eine weitere Tugend des achtfachen italienischen Meisters: Die Bescheidenheit hat Buffon trotz all seinen Erfolgen nie verloren.

Doch auch wenn es vor allem Youngster Donnarumma durchaus zuzutrauen ist, dass er die sportliche Lücke nach Buffon schliesst, wird der Keeper den Fans sicherlich fehlen. Es dauert bestimmt noch, bis sich die Italiener daran gewöhnen, die Nationalhymne zu hören, ohne ihren Capitano dabei zum Singen zu sehen.

Ganz vorbei ist die Karriere Buffons allerdings noch nicht. Bis im Sommer wird der 39-Jährige noch den Kasten von Juventus Turin hüten, wo er bereits seit über 16 Jahren unter Vertrag steht. Es steht also noch ein weiteres Karrierenende für "Gigi Nazionale" an, was bedeutet, dass er doch noch die Chance haben wird, sich mit einem Highlight zu verabschieden. Denn ein ganz grosses Ziel hat Buffon in seinem Karriereherbst noch: Die Goalielegende will nach drei Finalniederlagen doch noch die Champions League gewinnen. Es wäre die absolute Krönung einer fantastischen Karriere - doch auch ohne wird Buffon als einer der besten und beliebtesten Torhüter in die Fussball-Geschichtsbücher eingehen.

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