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Günter Hujara ist nun ''FIS-Experte für spezielle Projekte''
Förderer, Antreiber, Macher
14.02.2018, 22:15
Von sport.ch | Si
DEIN KOMMENTAR
 

Der frühere FIS-Renndirektor Günter Hujara wirkt seit Jahren abseits des Rampenlichts. In seiner aktuellen Aufgabe fördert er die Entwicklung des Skisports in Südkorea.

Vor knapp vier Jahren war er als Renndirektor zurückgetreten und hatte er die Verantwortung nach 21 Wintern an den Südtiroler Markus Waldner abgetreten. Im Sold des Internationalen Skiverbandes FIS steht Günter Hujara aber nach wie vor. Der Schwarzwälder nennt sich nunmehr "FIS-Experte für spezielle Projekte".

Hujaras spezielles Projekt waren in den vergangenen Jahren vornehmlich die Olympischen Spiele in Pyeongchang - und mit ihnen der Skisport in Südkorea im Allgemeinen. Es war eine schwierige und umfangreiche Aufgabe, die er in Fernost im Alpin-Bereich zu bewältigen hatte.

Hujara hier, Hujara da, Hujara fast überall

Hujara hier, Hujara da, Hujara fast überall. Sein Pensum war intensiv, vielschichtig und durch die Gegebenheiten im Land zusätzlich fordernd. Er führte Regie beim Aufbau von Strukturen, die in Südkorea einen von ausländischen Fachkräften losgelösten Rennbetrieb gewährleisten sollen. Die Ausbildung tangierte alle Stufen, vom Rennleiter bis hin zu den Rutschkommandos. Zweiter Eckpunkt in Hujaras Pflichtenheft war der Aufbau der Infrastruktur im Alpin-Zentrum Jeongseon.

Hinter Hujara liegen Prozesse, die schon unmittelbar nach dem Rücktritt als Renndirektor begonnen hatten. "Wir haben bei null angefangen. Es war nicht immer leicht. Wir hatten viele Hürden zu meistern." Er erzählt von Streiks der Arbeiter in Jeongseon. Sie waren wegen ausstehender Lohnzahlungen in den Streik getreten. Er erwähnt die langatmigen Entscheidungsprozesse oder die oft komplizierten administrativen Abläufe.

Die Effizienz liess an manchen Stellen zu wünschen übrig. Sie bremste unser vorgegebenes Tempo.

Ein weiterer grosser Bremsklotz war die in Asien weit verbreitete hierarchisch aufgebaute Gesellschaft. "Die Effizienz liess an manchen Stellen zu wünschen übrig. Sie bremste unser vorgegebenes Tempo." Trotz der Hindernisse ging Hujara seinen Weg. Unbeirrt, zielorientiert, hartnäckig, unermüdlich - so halt, wie er schon seinen Job als Renndirektor verrichtet hatte. Er war Taktgeber, Antreiber, Vorreiter. Er war oft gefordert, aber nie überfordert. Er fand immer eine Lösung, auch dank den stetig gewachsenen Beziehungen zu Vertretern von wichtigen Gremien.

Am meisten von Hujaras Wirken bekamen sie im fernen Europa im Zusammenhang mit dem Bau der Luftseilbahn in Jeongseon mit. Verzögerungen und Pfusch hatten die Hauptprobe der Alpinen im Rahmen des Weltcups vor zwei Jahren akut gefährdet. Hujara setzte alle Hebel in Bewegung, vermittelte und leistete Überzeugungsarbeit. Dank seiner Unnachgiebigkeit gewannen die Verantwortlichen in Südkorea den Wettlauf mit der Zeit. Die Anlage konnte auf den letzten Drücker für den Betrieb freigegeben werden.

Das unermüdliche Wirken und der stete Glaube ans gute Ende haben sich gelohnt. Das Erreichte erfüllt Hujara mit Zufriedenheit und Genugtuung. "Wir dürfen stolz sein auf das Ergebnis."

Wie viele Tage er im Vorfeld der Olympischen Spiele in Pyeongchang in Südkorea verbracht hat, weiss Hujara nicht. "Die Anzahl der Tage war nicht das Entscheidende. Wichtig war, dass die Leute hier während meiner Abwesenheit die ihnen zugeteilten Aufgaben erledigt haben. Das war eher gewährleistet, wenn ich jeweils nur vier, fünf Tage am Stück hier war. Wäre ich über Monate hier gewesen, hätten sie nicht auf ein zeitliches Ziel hingearbeitet."

Sein nächstes Projekt heisst "Peking 2022"

Neben "Pyeongchang 2018" verfolgt Hujara seit anderthalb Jahren ein zweites Ziel: "Peking 2022". Er geht nach gleichem Schema vor. Dass er das Projekt allerdings auch in China bis zum Ende begleitet, glaubt der Deutsche eher nicht. Sein Vertrag mit der FIS läuft Ende März dieses Jahres aus. "Was dann ist, weiss ich nicht." Der Internationale Skiverband würde eine Verlängerung der Zusammenarbeit begrüssen. Die Chinesen haben ihm bereits eine Vereinbarung zur Unterschrift vorgelegt.

"Wenn ich weitermache, dann wohl nur noch mit geringerem zeitlichen Aufwand", sagt der im Juni 66 Jahre alt werdende Hujara. Wer mit ihm spricht, merkt, dass er mit sich ringt. Der Entscheid fällt ihm schwer.

Hujara vom Vorreiter und Macher zum Rentner? Im Moment zumindest ist das schwer vorstellbar. Noch scheint sein Enthusiasmus zu gross zu sein. Auch für das Projekt in China.

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