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Pablo Brägger - von Zuzwil über Magglingen nach Cluj - und Doha?
Der beste Schweizer Kunstturner seit Donghua Li hat längst noch nicht genug
26.11.2017, 11:00
Von Lucas Orellano
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Lucas Orellano

Zuzwil SG, 2001. Ein 8-jähriger Junge steht zum ersten Mal in einer Kunstturnhalle. Als er den Turnern bei ihren Sprüngen und Figuren zuschaut, weiss er sofort: das will ich auch können. Sechzehn Jahre später ist aus dem Jungen der erfolgreichste Schweizer Kunstturner seit Donghua Li geworden. Nach zwei Bronzemedaillen in Montpellier (2015) und vor Heimpublikum in Bern (2016) vergoldet er seine Karriere an der diesjährigen WM in Cluj. Wer ist Pablo Brägger, wie tickt er - und was für Ziele hat der Ostschweizer noch?

Es gibt Sportler, die können die sozialen Medien nicht ausstehen. Es gibt Sportler, bei denen kommt es einem vor, als ob sie mehr Zeit am Handy verbringen als auf dem Trainingsplatz. Irgendwo dazwischen bewegt sich Pablo Brägger. “Ich mache es sehr gerne”, sagt der Goldmedaillengewinner von Cluj. Er gibt seinen Fans gerne Einblicke in seinen Trainingsalltag, woran er gerade am arbeiten ist, was er gerade tut. Aber er will die Präsenz auf Instagram, Facebook und co. nicht als Pflichtprogramm verstanden wissen: “Es kann auch zu viel werden, wenn es erzwungen ist. Das mache ich nicht gerne… Extra Sachen suchen, damit ich sie posten kann.”

Brägger gibt seinen Fans aber sehr gerne auch Einblicke in sein Privatleben. So gab es im Sommer auf Instagram ein Bild von ihm zu sehen, wie er am Open-Air Frauenfeld am feiern ist. Liegt das als Profisportler überhaupt drin? Ja, sagt der 24-Jährige: “Ich geniesse einfach die Zeit mit meinen Freunden, meinem Umfeld.” Auch hin und wieder mal ein Bier hat er sich genehmigt: “Wir sind schliesslich auch nur Menschen und wollen unsere Freizeit geniessen.” sagt er, und: “Ich bin erst 24 - natürlich will ich ein bisschen von meinem Leben auch noch geniessen.”

Freizeit von Samstagmorgen bis Sonntagabend

Freizeit ist für Pablo Brägger aber Mangelware. 28 Stunden pro Woche trainiert er im nationalen Leistungszentrum in Magglingen - wo er untergebracht ist, seit er 14 ist. Nur am Wochenende kann er nach Hause in die Ostschweiz. Wenn er dann mal heim kann, verbringt er Zeit mit seinen Freunden, seiner Familie und seiner Freundin. Freizeit vom Samstagmorgen bis Sonntagabend - was für die meisten Schweizer eine Erfahrung aus dem Militär ist, ist für den Mann aus Oberbüren Alltag. Turnen ist ein trainingsintensiver Sport, wie Brägger selbst sagt, und dass er daneben noch eine Schule absolviert, macht es für den Spitzensportler auch nicht einfacher. Aber das passt zu seinem realistischen, bodenständigen Wesen.

Wie viele Profisportler ist sich Pablo Brägger bewusst, dass seine Karriere nicht ewig dauern wird und denkt deshalb bereits an die “Zeit danach”. Dem Ostschweizer ist es wichtig, dass er neben dem Sport noch etwas anderes macht. Denn er weiss auch, dass die Karriere nicht nur zu Ende gehen kann, wenn er zu alt für den Profisport wird: “Durch eine blöde Verletzung kann es unter Umständen schnell gehen, dass du nicht mehr weiterturnen kannst und etwas Neues suchen musst.” Für Brägger ist das Ziel klar: er möchte Physiotherapeut werden. Naheliegend, als einer, der sein ganzes Leben bisher mit Training und Wettkämpfen verbracht hat und als Profisportler seinen Körper so gut kennt, wie kaum ein anderer.

Durch eine blöde Verletzung kann es unter Umständen schnell gehen, dass du nicht mehr weiterturnen kannst und etwas Neues suchen musst

Für den Moment ist der 24-Jährige aber noch voll im Schuss: seine Karriere zeigt eine klare Aufwärtstendenz. Vor Schweizer Meisterschaften weiss er jeweils genau, dass er Platz im Medaillenschrank machen muss. Nicht erst seit letztem Jahr - 2016 holt er 5 Medaillen, wenn auch keine goldene - räumt er dort regelmässig ab, schon bei den Junioren dominiert er. In Solothurn gewinnt er 2010 Gold im Mehrkampf, am Boden und an den Ringen. Silber am Reck, Bronze am Pferd und am Sprung. Seit 2009 gibt es für Brägger keine Schweizer Meisterschaft ohne Medaille mehr. Und nicht nur das. Mittlerweile gehört er auch an Europameisterschaften zu den Mitfavoriten. Beispiel Reck: Landet er an der EM 2015 noch auf Platz 8, wird er 2016 vierter und dieses Jahr holt er die Goldmedaille. Weiteres Bronzemedaillen holt er 2015 am Boden und 2016 mit der Mannschaft.

Ein Wechselbad der Gefühle

Jeder dieser Erfolge habe seine eigene Geschichte, bestätigt der St.Galler. Mit EM-Bronze in Bern 2015 - seiner ersten internationalen Medaille - habe er nicht gerechnet. “Ich hatte auch ein extremes Gefühlschaos”, sagt Brägger. Kein Wunder, glichen Wertung und Medaillenvergabe damals doch einem Chaos. Der Schweizer belegte nach einer starken Übung den 3. Platz und hätte Bronze gewonnen, doch ein Mitkonkurrent durfte nach einem Protest seine Übung wiederholen - und zog an Brägger vorbei. Diese Wertung wurde aber später korrigiert, weil der Spanier für einen Übertritt fälschlicherweise keinen Abzug bekommen hatte. Brägger war wieder dritter - und damit der erste Schweizer, der am Boden eine EM-Medaille geholt hatte.

Pablo Brägger, der Pionier. Seine historische Bronzemedaille in der Teamwertung bezeichnet er als wichtig für das ganze Schweizer Kunstturnen. Zusammen mit Benjamin Gischard, Eddy Yusof, Christian Baumann und Oliver Hegi holt er 2016 die erste Medaille überhaupt an einem EM-Teamwettkampf für die Schweiz. Und das ausgerechnet an der Heim-EM in Bern.

Pablo Brägger, der Pionier. Er beschert der Schweiz zusammen mit Oliver Hegi den ersten Doppelsieg der Geschichte. “Der schönste Titel, den ich bisher holen konnte”, sagt der Ostschweizer, “meine gesamte Familie war dabei, ein Teil meines Fanclubs war dabei, Leute, die mich unterstützen.” Auch, dass er den Doppelsieg Hegi, seinem besten Freund und Trainingspartner feiern konnte, bedeutet ihm viel: “Wir gönnen es einander extrem. Mir wäre es egal gewesen, wenn er gewonnen hätte und ich zweiter geworden wäre. Es war wirklich ein Doppelsieg und wir sind extrem stolz, dass wir das zusammen geschafft haben. Und es ist auch schön, wenn du im Final mit deinem Kollegen stehst. Wenn es dann so schön aufgeht, ist es natürlich umso schöner.”

Das Abo darauf, knapp leer auszugehen

Den nationalen Erfolg konnte er also auf europäischem Niveau fortsetzen - und dabei mehrmals Geschichte schreiben. Der nächste Schritt wäre nun, sich gegenüber der starken globalen Konkurrenz zu behaupten. Obwohl an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bisher noch kein Edelmetall herausschaute: die Tendenz ist auch hier steigend und es fehlt nicht mehr viel. In Rio 2016 landete er zweimal auf dem 9. Platz und verpasste damit nur knapp ein olympisches Diplom. Sein bestes Ergebnis an einer Weltmeisterschaft erreichte er diesen Sommer in Montreal, als er am Reck die Bronzemedaille als vierter nur knapp verpasste. Hat Pablo Brägger ein Abo darauf, knapp leer auszugehen?

Die Weltspitze ist nahe zusammen, da können kleine Details und das Wettkampfglück oft ausschlaggebend sein, weiss Brägger. Mit der WM 2017 in Montréal ist er trotz der knapp verpassten Medaille zufrieden - er habe gar nicht mit Edelmetall gerechnet. Dass es am Ende nicht geklappt hat, lag an einem kleinen Fehler im Final, ansonsten sei die WM super gelaufen.

Warum es bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bisher noch nicht geklappt hat, kann aber auch am Druck liegen, den er sich wegen der Erfolge an den Europameisterschaften selber macht. “Du willst deine Leistung so natürlich nochmals bestätigen. Du könntest auch einfach ein Häkchen machen ‘Den Titel habe ich geholt’, ich muss nichts mehr beweisen, aber irgendwie will man sich das selber doch nochmals beweisen”, so der 24-Jährige, der von sich sagt, dass er in der Vorbereitung deshalb oft ungeduldig wird.

Der Druck kommt vor allem von mir. Klar, man spürt die Erwartungen schon auch von aussen, aber ich will ja immer weiterkommen, immer besser werden. Ich will zeigen, dass ich vorne mitturnen kann.

Ein letztes Mal hatte Brägger am 5. November Gelegenheit, sein Können zu beweisen. Zusammen mit Giulia Steingruber, der Überfliegerin des Schweizer Kunstturnens, trat er am Swiss Cup Zürich im Hallenstadion im Team an. “Endlich!”, wie Brägger sagt, denn das “Team Ostschweiz” hätte schon letztes Jahr zusammen am Swiss Cup Zürich turnen sollen, konnte aber aufgrund der Verletzung Steingrubers nicht. Die beiden Stars holten den Sieg auch prompt in die Schweiz - zum ersten Mal seit 2011.

Ein würdiger Saisonabschluss für Pablo Brägger, dessen Steigerungslauf über die letzten Jahre in einer ersten EM-Goldmedaille diesen Sommer ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Wenn 2018 die EM in Glasgow und die WM in Doha anstehen, wird er wieder zum Kreis der Favoriten gehören.

Das hätte sich der 8-Jährige Junge, der mit offenem Mund zum ersten Mal in einer Turnhalle im st.gallischen Zuzwil stand und die Turner bewunderte, kaum zu träumen erhofft.

"The News Center 1ON1" mit Pablo Brägger im Replay auf SPORTAL HD

Hast du die Sendung "The News Center 1ON1" vom Dienstag, 31. Oktober 2017 verpasst und willst sie noch ansehen? Dann kannst du diese hier im Replay nachschauen! Wir wünschen viel Vergnügen!

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